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ANONYM
Ausstellung
Würden wir „Les Demoiselles d'Avignon“ oder die „Mona Lisa“ in gleicher Weise bewerten, wenn sie kein Signaturen trügen? Wenn um das, was Kunst denn sei, immer um Definitionen gerungen werden wird, so wird es noch schwieriger sein, für den Wert von Kunst eine zu finden.

In dieser Ausstellung der „Anonymen“ startet die Galerie ein Experiment: Den teilnehmenden Künstlern wurde der Vorschlag gemacht, ihre Werke auszustellen, aber nicht zu signieren. Vom Schöpfer des Werkes ist also erstmal nichts bekannt: Kein Geschlecht, kein Alter, nicht die Herkunft. Das Experiment kann viele Fragen beantworten, vor allem natürlich dem Verhältnis zwischen Künstler, seinem Kunstwerk und dem Betrachter nachspüren. Ist der Künstler seinem Werk in Zuneigung oder gar Liebe verbunden, lehnt er es ab oder hasst er es sogar? Es gab und gibt genügend Künstler, die ein gespanntes Verhältnis zu ihrem eigenen Schaffen haben. Künstler gelten ohnehin als schwierig und sind im Urteil über Kollegen und das Publikum keineswegs zimperlich. Kann man dies in einem Werk erkennen, ohne etwas von der Person dahinter zu wissen? Es kann passieren, dass der Künstler einem Betrachter über die Schulter schaut, und sich dessen freies, ungehemmtes Urteil anhört. Auf der anderen Seite kann er ihm ohne Scheu die Frage stellen, was er für dieses Werk bezahlen würde, aber auch einen x-beliebigen, vielleicht gerade seiner Tagesform entsprechenden Preis nennen und die Reaktion des Betrachters beobachten. Das Publikum wird mit der Tatsache umgehen müssen, ein vollkommen anonymes Kunstwerk kaufen zu können.

Welche Erwartungen verbindet der potentielle Käufer eines Kunstwerkes mit dessen Erwerb? Deshalb dürfte besonders interessant sein, was im Betrachter vor sich geht, wie seine Wahrnehmung gesteuert wird und den ersten Anblick des Kunstwerkes auswertet. In seiner „Ästhetischen Theorie“ schreibt Adorno, dass der Betrachter ein Bild von Picasso schon deshalb anders wahrnehme, weil es eben von diesem Künstler stammt. Bei einem bekannten Künstler weiß das Publikum, was es in etwa erwartet. Es geht darum, wie der Name eines Künstlers auf den Betrachter von vornherein wirkt.

Wie werden Preise für Kunstwerke gemacht und welche Intentionen haben Künstler und Käufer? Der Wert eines Kunstwerkes ist keine Sache von Angebot und Nachfrage, das macht gerade die Kunst aus, nehmen wir einmal an. Neben der Gebrauchskunst gibt es auch immer Künstler, die den Markt und den Geschmack, der gerade angesagt ist, bedienen. Bei den gängigen und am Markt etablierten Künstlern ist der Kauf meist kein Problem. Kunst ist eine zukunfsträchtige Investition und Geldanlage, und bei den angesehenen Künstlern kann der Anleger fast von Glück sprechen, ein Werk zu bekommen. Das Geld ist aber nur eines der Motive. Warum sonst noch kauft jemand Kunst, um zum Beispiel sagen zu können, ich habe einen Beuys an der Wand hängen. Das ist sicherlich auch ein Beweggrund, sich ein Werk zuzulegen.

Anonyme Kuntwerke gibt es viele, bei denen oft um die Zuschreibung gestritten wird, aber sowie diese gelingt, wird der Wert des Stückes den schon bekannten des Künstlers angepasst. Rembrandt ist dafür ein gutes Beispiel.Ohne hier noch länger zu bohren, ein Kunstwerk zu besitzen und mit ihm gewissermaßen zusammen zu leben, macht Freude und darin lebt der Besitzer seine Kunstleidenschaft aus.

Auf dem Kunstmarkt herrscht ein gnadenloser Verdrängungskampf, bei dem Sammler, Galeristen und Kunstliebhaber einen richtigen Riecher haben müssen, um die Qualität und Dimension eines Kunstwerkes zu erkennen. Nach wie vor gelten die alten Kriterien für die Bewertung eines Kunstwerkes: Handwerkliches Können, Originalität, Aussagekraft und vor allem seine Schönheit. Der Blick des Künstlers auf die Welt und in sich war schon immer faszinierend, daher verfolgt die Ausstellung insbesondere das Selbstverständnis der Kunst etwas zu erhellen , denn ohne sie wäre die Welt öder und langweiliger. ACUDgalerie


ACUDgalerie
Di 1.1. 18:00 Uhr,  Mi 2.1. 14:00 Uhr,  Do 3.1. 14:00 Uhr,  
Fr 4.1. 14:00 Uhr,  So 6.1. 17:00 Uhr,  Di 8.1. 18:00 Uhr,  
Mi 9.1. 14:00 Uhr