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Tanz-Theater-Performance und Ausstellung
NEBEL
HALBBILD präsentiert

NEBEL
Die vom Menschen erschaffenen Gesellschaftssysteme waren bisher nur übergangsweise beständig. Auf der Suche nach geeigneten Lebensformen entstehen Systeme, laden sich auf, zerbrechen, überlappen, verändern sich und kehren in neuer Form wieder. Nach einem Zusammenbruch werden wir auf unsere Körper zurückgeworfen – Nervenzellen verarbeiten das Erlebte. Manches davon ist erinnerbar, manches wird vergessen. Einiges bleibt möglicherweise unzugänglich gespeichert.

HALBBILD interessieren sich für das Entstehen gesellschaftlicher und individueller Wertesysteme, deren Regeln, Grenzen, Übergänge und ihren Zerfall. Wie geht etwas zu Ende - wie machen wir weiter nach dem Ende? Wie beginnen wir das Neue mit dem Alten in uns?

„One has to dig up the dead over and over again […] future only arises o ut of a dialogue with the dead.“ Heiner Müller

Anhand der konkreten Schicksale unserer Vorfahren suchen wir nach den Spuren vergangener Gesellschafts- und Wertesystemen. Was ist uns bekannt, was wurde vermutlich verschwiegen? Wir nähern uns medialen Bildern, Erzählungen und Grauflächen. Welche Erinnerungen haben wir über nur am Rande oder indirekt erlebte Zeiten, wie den Nationalsozialismus, die DDR, die Wende?

„I’d like to know how we represent with our body“ William Forsythe


Unser Vorhaben ist das Verkörpern von Wertesystemen aus dem letzten Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ausgangspunkt ist Deutschland. Durch Bewegungsrecherchen entstanden Choreografien über den Zwang sich einer Gesellschaft anzupassen, über Schrecken, Sehnsüchte, Absurditäten, Oberfläche und Tiefe, über Gegenwehr und die Stunde 0. Mit dem Einnehmen unseres Ausgangspunktes im Jahr 2017 ist es unmöglich einer chronologischen Geschichtsschreibung zu folgen, da diese sich schon zu oft verändert hat, der Perspektive angepasst wurde.
Daher spielen wir in der Inszenierung NEBEL mit Elementen wie Dekonstruktion, Fragmentierung und Wiederholung. In abstrakte Körperformen1 gebracht, wird ein System auf diese Weise manchmal als Metapher des Nächsten. Zu interpretieren, zu lesen ist es immer wieder aus einer neuen Gegenwart. Ein neuer Kontext wird eine neue Interpretation bieten. Die Bilder, welche entstehen, erzählen – je nach Blickwinkel – über Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft; über Erinnerungen, Verweise, Wünsche und über die interpretierende Person.

Die Performance NEBEL gliedert sich in zwei Teile: Installation und Tanzperformance. Im Foyer werden die Fundstücke der Recherchen für die Zuschauer zugänglich gemacht. Die Performerinnen selbst werden ebenso Teil dieser Ausstellung um das Ausgangsmaterial zu präsentieren und zu re-enacten. Dadurch erscheint die Tanzperformance nicht auf völlig losgelöstem Terrain, sondern bleibt auf die Ausstellungsstücke beziehbar. Darüber hinaus dient der zweite Teil (die Tanzperformance) auch als Projektionsfläche der eigenen Geschichten der Zuschauer, deren persönliche Erinnerung an bereits Vergangenes und deren Assoziationsvermögen.

„One must be at least as abstract as the stock market in order to be really creative today“ (Mary Overlie)


HALLBBILD sind: Ronja Helene Grabow, Rosalin Hertrich und Sophie Ketteniß

Sie haben sich im Physical Theatre Training im Tatwerk Berlin kennengelernt und 2016 im Rahmen der Produktion STEPPE im Tatwerk das erste Mal zusammen gearbeitet. 2017 gründeten sie das Kollektiv HALLBBILD und entwickeln derzeit ihre erste eigene Produktion NEBEL. Im Juni 2017 wurde ein erstes Work-in-Progress Showing im Theaterhaus Mitte gezeigt. HALBBILD beschäftigt sich mit der Entwicklung einer eigenen Bewegungssprache, die ihre Wurzeln im Physical Theatre hat – auf der Suche nach neuen choreografischen Ansätzen.
Ronja Helene Grabow ist eine interdisziplinäre Performancekünstlerin und aktiv in der freien Szene tätig.
Sie studierte Theater-, Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaft an der LMU München und schloss ihren Master in Filmwissenschaft an der FU Berlin ab. Ihre geisteswissenschaftliches Studium ergänzte sie von Anfang an durch die Arbeit mit und am Körper; durch ein konstantes Training in Physical Theatre, zeitgenössischem Tanz, Improvisation, Schauspieltechniken und Choreographie.
In München spielte sie an der Studiobühne TWM und war als Regieassistentin an den Münchner Kammerspielen tätig. Sie wirkte in diversen Tanz- und Performanceprojekten mit und entwickelte 2016 in einem gemeinsamen Kompanie-Projekt die Produktion „STEPPE“ im Tatwerk Berlin, für die sie eigene Texte schrieb, an der Choreographie mitwirkte und selbst als Performerin auftrat. Im Sommer 2017 wurde sie mit ihrer Langzeit-Performance „One for the money, one for the art“ gemeinsam mit Maryna Makarenko für die ASA (ArtStudents Ausstellung) 2017 der Galerie Gerken in Mitte ausgewählt
In diesem Kontext kuratierte sie auch begleitende Veranstaltungen, wie eine Podiumsdiskussion mit Berliner Kunstschaffenden. Ronja Helene Grabow ist derzeit im Bereich Organisation und Planung für das marameo Berlin tätig und arbeitet an eigenen Performance- und Rechercheprojekten. Zuletzt leitete sie gemeinsam mit Maryna Makarenko das Performanceprojekt „Is This a Place Where We Can Stay?“ an der UDK Berlin.


Rosalin Hertrich ist interdisziplinäre Performerin/Schauspielerin und unterrichtet Theater, Performance und Bewegung. Sie studierte Theater- und Medienwissenschaften in Erlagen und Utrecht und absolvierte eine Ausbildung zur Theaterpädagogin. 2014 kam Rosalin nach Berlin, um sich auf die Arbeit mit dem Körper zu spezialisieren und im Physical Theatre Kurs im Tatwerk zu trainieren und zu unterrichten. Im Tatwerk leitete und choreografierte sie bereits zwei Performance Projekte ((DIS)positioned, 2015; OUT OF BALANCE, 2016). Ihr Interesse liegt darin, soziologische und philosophische Gedanken, sowie Phänomene über die zeitgenössische Gesellschaft performativ-körperlich zu erforschen und in Bewegungen, Energien, Choreografien und Bilder zu transformieren. Seit 2016 ist sie Performerin in der Produktion „Relax now!“ für das Spielraum Kollektiv Prag, 2017 ist sie Performerin für Robert Wilson bei der Produktion „Luther – dancing with the gods“. Seit 2015 entwickelt sie ihre Solo Arbeit „Raben“ stets weiter, die bereits in unterschiedlichen Kontexten aufgeführt wurde.


Sophie Ketteniß ist eine interdisziplinäre Tanz- und Theaterkünstlerin und studierte Linguistin. Geboren und aufgewachsen in Berlin, entwickelte Sophie ihre ersten Stücke innerhalb einer Mehrgenerationen-Theatergruppe in der Ost-Berliner Vorstadtperipherie, angeleitet von Tanztheaterpädagogin Elena Bronsert. Daraufhin stieg sie in zwei Jugendtanzprojekte der Faster-Than-Light-Dance-Company ein: „ZweiNsamkeit“ (2009/Theater an der Parkaue) und „Orgel trifft Tanz“ (2010/Berliner Dom). Während ihres Studiums zog Sophie für ein Jahr nach Schottland und wagte sich in einen vom Theaterautor Raymond Ross geleiteten Script Writing Kurs, in dem sich alteingesessene und zugewanderte Einwohner Edinburghs vereinten. Sprachbarrieren und Unterschiede von Geschlecht, Klasse und Alter überwindend, bestärkte diese Erfahrung in ihren Augen die Kraft von subalterner, gemeinschaftsbasierter Theaterkunst & Storytelling. Seit drei Jahren trainiert Sophie physisches Theater, zeitgenössischen Tanz und Butoh beim chilenischen Schauspieler, Regisseur und Choreographen Samuel Nuñez in Leipzig und Berlin. 2016 ergriff sie die Chance, als Regie-Trainee für Choreographin Constanza Macras und ihr Ensemble Dorkypark bei der Produktion des Tanztheater-Stückes „ALBUM“ tätig zu sein. Von März bis November 2016 entwickelte sie als Mitglied der TatwerkKompanie die Performance „STEPPE“ und trat darin als Performerin auf. 2017 begann sie, Physical Theater zu unterrichten. Ihr persönliches Interesse für Tanz beschäftigt sich mit der Frage nach physischer Erkenntnisfähigkeit und dem Zugang zu Körperwissen. Sophie arbeitet derzeit als Gebärdensprachassistentin für gehörlose und schwerhörige Schulkinder.


Karten: 12,- / 8,-


ACUDtheater
Do 12.4. 20:00 Uhr,  Fr 13.4. 20:00 Uhr