1990
1991
1992
1993
1994
1996
1998
1999
2000
2001
2002
 
Meldungen des ACUD
2000 bis 2006

Die Geschichte eines Hausverkaufs

Also, am Anfang war die Galerie in der Rykestraße 13 im Prenzlauer Berg. Ein leerstehendes heruntergekommenes Haus wurde besetzt und zwei Wohnungen zu Ausstellungsflächen umfunktioniert. Die Wirren der Wendezeit konnten gut für solche Aktivitäten genutzt werden.
Aus der Vielzahl ähnlicher Gruppen und Initiativen taten sich einige mit den Leuten vom ACUD zusammen und es entstand mehr. An einem runden Tisch in Berlin Mitte mit der WBM (Wohnungsbaugesellschaft Mitte), dem Bezirksamt und verschiedenen Gruppen und Vereinen konnte der mittlerweile als Alternativer Kunstverein ACUD e.V. gründete Verein, sich eines von 50 Häusern aussuchen.


1990

Mit einem Artikel der Junge Welt von Jana Sittnick vom 14.3.1990 beginnt die Geschichte:

»Drahtgespenst im Hinterhaus - Autonome Galerie AKUD zeigt Werke junger Leningrader« »...Die akute Galerie öffnete Silvester `89 ihre Pforten. Mitten im Prenzlauer Berg gingen vier junge Leute ans Werk. Aus zwei Hinterhofwohnungen wurde eine lustige, exzentrische, private Verkaufsgalerie. In beinah familiärer Stimmung läßt sich gut plaudern mit den Ausstellern. Geboren wurde die Idee der kleinen privaten Galerie bereits im Sommer vergangenen Jahres, im November endlich konnte sie in die Tat umgesetzt werden....«

Jo Lüdemann von der Zeitschrift »Die Andere« schrieb dazu im April 1990:

»Die Wende hat es ermöglicht. Eine der wenigen positiven Aspekte im Chaos dieses Nochstaates. Die Rede ist von den neuen Galerien und wilden Kneipen/Cafés in Berlin. Silvester 1989 eröffnete eine dieser jungen Galerien (ACUD) mit einer großen Fete ihre erste Ausstellung.... Da natürlich keine Lizenz und auch kein Mietvertrag vorhanden war, flatterten schon drei Räumungsklagen ins Haus. Bisher ließ dies die drei bis vier Junggaleristen (die Anzahl schwankt) relativ unbeeindruckt. Eine, wie sich zeigte, völlig richtige Einstellung...«

Hartmut Peterson schrieb dazu am 14.3.1991 im Tagesspiegel:

»Träume sind Räume - Kulturzentrum ACUD in Mitte« »... Als ACUD e.V., traten sie nicht plötzlich und unerwartet auf den Plan, sondern als Vereinigung mit einer Galerieinitiative aus der Prenzelberger Rykestraße. Nun bewirtschaften sie ein vierstöckiges ehemaliges Wohnhaus. Darin beherbergen sie eine Mischung aus Realität und Traum. Die Realität heißt Improvisation. Sie ergibt sich aus dem Mut der vier Vorstandsmitglieder um Claudia Wasow, die Geschäftsführerin, einfach anzufangen. Da die Gelder aus dem Selbsthilfefonds noch nicht fließen, haben sie mit der Unterstützung durch 15 Mitarbeiter (ABM-Stellen) begonnen, mit eigenem Geld ein Programm aufzuziehen... Der Platz für die Träume befindet sich in den darüberliegenden Etagen und im Keller. Eine Kita, künstlerische Werkstätten für Schreibende, arbeitslose Schauspieler und anderweitig künstlerisch klöppelnde junge Menschen sowie Räume für Sprachkurse und Sozialarbeit sollen entstehen. Seit vergangenen Freitag gibt es eine Musikkneipe mit Livemusik. Wie auch immer deren Qualität sein möge: Wichtig finden die Veranstalter die Möglichkeit für Bands überhaupt auftreten zu können.«



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1991

Das ACUD mausert sich. Als gemeinnütziger Verein war es möglich ABM-Stellen zu beantragen, mit deren Hilfe man an die Renovierung des Hauses gehen konnte. Die einzelnen Bereiche begannen Form anzunehmen und wurden mehr und mehr von interessierten Besuchern wahrgenommen. Doch auch das ACUD blieb von den Problemen der Ostberliner Kulturlandschaft nicht verschont. Acuten Problemen wie den Umbauplänen der WBM oder Geldkürzungen begegnete man mit immer neuen Ideen und Aktionen. Einer der ersten Zusammenschlüsse nannte sich »Kulturalarm« und wurde am 30.5.1991 im Tagesspiegel von Thea Herold beschrieben:

»"Kulturalarm" schlug Krach - Kunstblumenfest in der Kunsthochschule Weißensee« »... Das ACUD kämpft um einen Mietvertrag, die Schauspielgruppe "Lumpensack" um Aufträge und Auftritte, die Kunsthochschule gegen drohende Abwicklung, das Café "Geierwally"... gegen eine angekündigte Gewerberaummiete von dreißig DM pro Quadratmeter und so weiter und so fort. Die meisten der oben genannten Projekte müssen sowieso ohne Unterstützung leben und wirtschaften und funktionieren. Und mit einer dösig-müden Kulturpolitik in den Stadtbezirken zurechtzukommen. Anträge, Formulare, Bürowege, Amtsgänge - alles ist neu, ungewohnt und umständlich, und wenn nicht mal was für die Truppe dabei heraus kommt, ist der Unmut groß....«

Am 30.7.1991 hieß es in der Berliner Morgenpost:

»Neubau stellt Kunstverein in den Schatten« »"Uns soll das Licht genommen werden", sagen die einen. "Wir brauchen Wohnungen für ältere Menschen", die anderen. Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) und die Mitarbeiter von ACUD einem alternativen Kunstverein an der Veteranenstraße 21, liegen im Clinch. Grund: Die WBM plant, vor dem ACUD-Gebäude wieder ein Vorderhaus mit Seniorenwohnungen zu bauen. "Damit würde unser Domizil zum Hinterhaus ohne Licht. Wir wollen in die unteren Etagen eine Kita integrieren", sagt Jörg Grunow, einer von 17, die per ABM mit dem Aufbau des Vereins und des Hauses beschäftigt sind. Falk Jesch, Geschäftsführer der WBM: "Der Verein ACUD sollte auch an andere Leute denken..." Im Kiez sammelten wir Unterschriften gegen den Neubau. "Überhaupt haben wir die Anwohner auf unserer Seite", erzählt Grunow weiter. "Wir bieten für jeden etwas", so Gunda Förster (24). "So kommen jeden Dienstag ein Rechtsanwalt und ein Vertreter des Mieterbundes zur Beratung. Ab Mitte August, wenn der große Saal ausgebaut ist, gibt es auch ein Fotoatelier, eine Video- und Theaterwerkstatt, Filmvorführungen." Das Haus ist zwar recht marode, doch die Enthusiasten bleiben optimistisch: Der Keller, bislang nur Saftlager, wird zum Musikkeller für Live-Gigs. Vor kurzem ist auch die Galerie mit ihren Ausstellungen in das Haus gezogen.«



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1992

Triangel - Zeitschrift des Förderband e.V. im Juli 1992:

»Am Ende?« »Berlins Mitte ist mehr als nur zukünftiges Regierungsviertel, Hochkultur und Verkehrsstau. Mitte lebt auch und gerade durch die OFF-Kultur. Mittelkürzungen werden im Bereich soziokultureller Arbeit das große Projektesterben einläuten. Damit dies nicht stillschweigend passiert, wurde "Herbstflackern" erdacht. ACUD e.V. und Schokoladen, Kulturplenum Mitte und das dazugehörige Kulturamt planen für den 6. oder 13. September im Park am Weinbergsweg ein großes Open Air Fest....«

Die Situation des Hauses in der Veteranenstraße war schon immer unsicher. Eine am Anfang geplante Wohnselbsthilfe unter Betreuung des SPI scheiterte an fehlender Unterschrift des Bausenats, weil kein langfristiger Mietvertrag vorgelegt werden konnte. Zunächst mussten die Eigentumsverhältnisse geklärt werden. Nichts desto trotz wurde im ACUD mit Hochdampf gewirbelt und das nicht nur am Bau. Erste Konzepte für die Zukunft nahmen Form an und die Organisation des Alltags unter der ständigen Last der finanziellen Unsicherheit wollte gemeistert werden. Mit Festen und anderen Aktionen machte das ACUD immer wieder auf sich aufmerksam.

Katrin Thamm schreibt am 1.4.1992 in der Berliner Morgenpost:

»Muß Szene-Treff in der Veteranenstraße schließen?« »"... Wir haben das Haus im Herbst 1990 besetzt. Da lief noch das Wasser die Wände herunter", sagt der Student Torsten Rohloff (29). Die 20 Vereinsmitglieder richten das Haus her. Für Sanierung und kulturelle Arbeit erhalten sie ABM-Gelder. Tagsüber wird im Haus gebaut, abends läuft der Kulturbetrieb. Falk Jesch, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft: "Drei Rücküberführungsansprüche liegen vor. ACUD hat deshalb einen Vorvertrag, um das Haus zu Wohnzwecken zu nutzen." Unkorrekt sei die gewerbliche Nutzung. "Uns liegen zudem Beschwerden über Lärm vor." Zudem streiten sich drei potentielle Alteigentümer um das Haus: eine Frau aus Essen, die Claims Conference, die jüdisches Alteigentum verwaltet, und eine Frau aus Tel Aviv. Die Angst vor der Kündigung schwebt wie ein Damoklesschwert über den Häuptern der Kulturbetreibern.«



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1993

Ein umfassender Artikel im Scheinschlag vom März 1993:

»ACUD, ABM und Alternative(n)« »... Größenwahn: 2 Millionen ist die Immobilie Wert, ebenso viel kostet die Rundum-Rekonstruktion, die noch ansteht. Kunststück: Es ging und geht um knapp 1000qm in 5 Etagen. Bei unklaren Eigentumsverhältnissen. "Nur" für Kultur.... Erstaunlich zumal, weil dies nicht nur monetäre Selbstausbeutung (alle ACUDler spenden ihre ABM-Gelder jenseits eines Sockelbetrages von 1400 bzw. 1600 DM für das Haus) sondern auch nahezu ausschließlich eigene Handwerkelei möglich wurde. Bilanz zum Jahrestag: 250.000 DM an Eigenleistung für Materialkosten, über 92.000 reine Handwerkerstunden. Die Wohnungsbaugesellschaft langte bisher lediglich für die Stromzähler und eine stabile Eingangstür in die Tasche. Und wenn wir schon vom Geld reden: Der Bezirk Mitte sponsert einiges, allerdings aus sehr kleinen Töpfen, wie dem "Feuerwehrtopf" und dem Fonds "Soziokultur". SenKult hält sich vornehm zurück, an andere Senatsgelder war bisher ebenfalls nicht zu denken. Auch wenn in letzter Zeit einmal häufiger jemand von des Regierenden Gnaden seine Schritte in das Haus am Weinbergsweg lenkte. Eine von mehreren kuriosen Folgeerscheinungen der Geldknappheit: Schon seit Mitte 1992 gibt es eine Absichtserklärung der EBAG, das ACUD-Haus zu einem Vorzeigeobjekt für regenerierbare Energie um zu rüsten. Doch vor die Solarzellen und Wärmepumpen hat die Bürokratie eine "Vergleichsstudie" gesetzt. Die kostet 3.000 DM, die wiederum niemand hat..... Ein drittes Jahresfest im März 1994? - das ist gegenwärtig ebenso ungewiß wie die Zukunft vieler anderer ABM-Projekte in der Ostcity. Im August laufen die letzten ABM-Stellen aus, schon jetzt stehen weit weniger Leute als vor Jahresfrist in Lohn und Brot. Besonders schmerzlich: Nur noch zwei von ehemals vier Handwerkern gehören dazu. Ist es da Gründermentalität, sprich: Größenwahn, wenn trotz allem hochfliegende Pläne existieren? Zum Beispiel die, das Hinterhaus zu Ateliers, Konzertsaal und Theaterraum auszubauen. Allein die dazugehörige Dachreparatur ist nicht unter einer viertel Million zu haben. Die Minimalvariante für den Fortbestand des Hauses im gegenwärtigen Konzept wären: 400.000 DM jährlich für Betriebskosten und 6 feste Stellen. Was nur aufgeht, wenn in Zusammenarbeit mit der GSE ein 5-Jahres-Vertrag zustande kommt für monatlich 1500 DM Miete. Bei all dem ist an Regelförderung nicht zu denken...«

Frank Kempe in der Neue Zeit vom 3.3.1993:

»Hausparty mit Freibier - ACUD feiert Jubiläum / Geld ist Wermutstropfen« »... Dennoch ist den acht noch verbliebenen ABM-Kräften und den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Kulturvereins nicht gerade zum Feiern zumute. "Wir wissen nicht, ob das Hausfest nicht zugleich unsere Abschiedsfete wird", sagt Myrda. Seine böse Vorahnung, wo nach das Projekt "schon bald den Bach runtergehen" könnte, kommt nicht von ungefähr. Die ABM-Verträge laufen allesamt zum Sommer dieses Jahres aus. Hinzu kommt, daß die Eigentumsfrage für das fünfgeschossige Gebäude noch immer ungeklärt ist. Mit der Wohnungsbaugesellschaft Mitte, die das Haus noch verwaltet, will der Verein zunächst einen Mietvertrag für weitere fünf Jahre aushandeln, um "hintenherum Fakten zu schaffen". Auch poche ACUD seit Monaten im Senat und Bezirk auf Maßnahmen gegen die drohende Schließung. "Langsam rührt sich etwas, aber über verbale Versprechen ist es bisher nicht hinausgegangen", klagt der Geschäftsführer....«

Caroline VonGries am 4.3.1993 im Tagespiegel:

»Akute Nöte - Jahresbilanzpressekonferenz beim Kunstverein ACUD« »"Wir werden auch weiterhin nicht auf das Münchner Schicki-Micki-Publikum abfahren", verspricht Peter Myrda. Zusammen mit Hermann Greuel und Micha Schilke managt er den Ostberliner Kulturverein ACUD in der Veteranenstraße, das zweitgrößte Kulturprojekt in Mitte. Seine Zielgruppenabgrenzung ist auf den Spitzenreiter, das benachbarte Tacheles, gemünzt. Eifersüchtig auf das Hätschelkind des Kultursenators ist die freie Szene nicht nur in der Veteranenstraße. ...«

In Neues Deutschland schreibt Maria Nowak am 4.3.1993:

»Alles Gute unter einem Dach - Seit zwei Jahren besteht der alternative Kunstverein ACUD, und er hat noch viel vor« »....Der Verein hat sich die Förderung von Kunst und Kultur auf die Fahnen geschrieben, will vorhandene Projekte miteinander vernetzen, Kultur- und Sozialarbeit, Bildung und umweltbewußtes Leben und Arbeiten in Einklang bringen. Sicher sehr anspruchsvolle Ziele, aber in den zwei Jahren seines Bestehens hat der Verein einiges auf die Beine gestellt, und es existieren mehrere Projekte und jede Menge neue Vorhaben.... Jedoch die Finanzierung dieser Projekte wächst dem Verein allmählich über den Kopf.... "Spätestens dann", so Michael Schilke, "müssen wir andere Wege der Finanzierung finden"....«

Trotz zunehmender ABM-Problematik machte sich das ACUD Gedanken über die weitere Zukunft und man plante den noch freien Raum im Haus auszubauen, um ihn als finanzielle Quelle zu nutzen. Es konnten Vereine aus dem kulturellen Bereich als Untermieter gewonnen werden.

Daniela Pogade schreibt in der Berliner Zeitung vom 3.3.1993:

»Im Frühling ist auch für "Ikaron" der ABM-Spuk vorbei - Zahlreiche Ostberliner Kulturprojekte verlieren in den nächsten Monaten ihre Stellen - die Zukunft ist ungewiß« »...18 ABM-Mitarbeiter gab es in dem Haus in der Veteranenstraße noch vor einem Jahr. ... . Im Sommer aber wird es hier nur noch ehrenamtliche Mitarbeiter geben. ... . ...die Bundesanstalt für Arbeit machte Ende letzter Woche die überraschende Radikalbremsung: Ab sofort werden überhaupt keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in Ost und West mehr bewilligt....Peter Myrda hält ABM sowieso nur für eine Notlösung. ... "ABM bedeutet letztendlich nur tierischen Streß", klagt er. So warte man oft monatelang auf die Überweisung der Löhne. Und die Vergabe von Sachmitteln, die an die Stellen gekoppelt sind, geschehe nach viel zu eng gefaßten Kriterien. ... . Von der Kulturverwaltung ist kein Geld zu erwarten, weil keines da ist. Lediglich Vereine, die über ihre Bezirksgrenzen hinaus wirken, werden Unterstützung erhalten können. ... . Für alle anderen könne der Senat lediglich Beratung und Vermittlung anbieten. Zu diesem Zweck hat man jetzt eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Bezirke und der Senatsverwaltungen eingerichtet. Weil die Diskussion für die betroffenen Gruppen nicht einfach wird, hat sich jetzt ein "Interessenverband Kultur" formiert. Der fordert eine ressortübergreifende, öffentliche Förderung für die bedrohten Projekte. ...«

Neues Deutschland im Okt. 1993:

»ACUD nahm drei Vereine auf - Ab jetzt Kulturquartett« »Mit dem Hausfest "Ein Tag wie jeder andere" stellen sich die gemeinnützigen Vereine ACUD, ETAGE, FÖRDERBAND und ROMANISCHES BÜRO am 3. Oktober ab 14 Uhr vor, die nun in einem Haus in der Veteranenstraße 21 in Mitte "wohnen".... ACUD nahm die anderen drei Vereine ins Haus mit auf, denn der Kunstverein hat Aussicht auf einen Fünfjahres-Mietvertrag, der den Besetzerstatus beendet.... ACUD bewirtschaftet weiterhin zwei Drittel des Hauses und veranstaltet neuerdings auch mittwochs Jazzkonzerte. Vorgesehen ist, ein kleines Theater einzurichten.«



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1994

In den darauf folgenden Jahren wurde es etwas stiller um das ACUD, aber nicht im Inneren. Die Instandsetzung des Haus wurde abgeschlossen. Bis 1994 waren eine knappe halbe Million DM an Geld- und Sachmitteln verbaut worden. Alle Räume waren belegt und man konzentrierte sich auf die inhaltliche Arbeit. Das Kino wurde mehrfach mit dem Bundesfilmpreis für ein hervorragendes Jahresfilmprogramm ausgezeichnet und herausragende Projekte konnten mehrfach im Jahr durchgeführt werden. Man machte internationale Erfahrungen mit Jugendkulturprojekten aus der eigenen Feder mit jungen Leuten aus Italien, Finnland, Spanien und Frankreich, und der Schwerpunkt Jugendkultur konnte durch den neueingerichteten ACUD Mädchenclub bereichert werden.



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1996

1996 machte man sich an die Erstellung eines Zukunftskonzeptes, was die weitestgehend wirtschaftliche Unabhängigkeit und dazu notwendigen Hauskauf beinhaltete. Um eine mögliche Zukunft zu sichern sollte das Haus gekauft werden und umfangreich ausgebaut werden.



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1998

Zum achtjährigen Bestehen des ACUD schrieb Iris Uellendahl am 18.2.1998 für die Berliner Zeitung:

»Kunst und Kultur vom Keller bis zum Dachboden - Verein ACUD mit umfangreichem Angebot« »... Traditionell liegt der Schwerpunkt des Vereins im kulturellen Bereich, doch in den vergangenen hat sich die Kinder- und Jugendarbeit immer mehr zu einem weiteren Standbein entwickelt. "Wir wollen natürlich vor allem die erreichen, die normal keinen Zugang zu kulturellen Sachen haben", erläutert Kerstin Richter. Sie ist Sozialarbeiterin und leitet den Mädchenclub, eines der jüngeren Projekte. Hier können sich zwölf- bis 18jährige Mädchen aus der Umgebung regelmäßig im Tonstudio oder zu Bandproben treffen, oder einfach nur im eigenen, selbstgestalteten Raum zusammensitzen.... Doch die finanzielle Lage ist gespannt. "Glücklicherweise haben wir nie am Geldtropf des Senats gehangen, sondern mußten uns schon immer um andere Formen der Finanzierung kümmern", erklärt Thomas Sakschewski, einer der beiden Geschäftsführer des ACUD.... Der Kunstverein selbst ist nur Mieter in dem von der Wohnungsbaugesellschaft Mitte verwalteten Haus. Der Mietvertrag läuft Ende des Jahres aus. Verschiedene Rückübertragungsanträge laufen, noch steht der neue Eigentümer nicht fest. Sicher ist, daß der Verein das Haus kaufen will. Sakschewski ist optimistisch, wenn auch mit Einschränkungen. ...«



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1999 - Die Spendenkampagne 3000x 100 DM

Die Rückübertragung der Immobilie in der Veteranenstraße 21 wurde Ende 1998 beim Landesamt für Vermögensfragen abgeschlossen und endgültig den Eigentümern, einer weltweit verstreuten Erbengemeinschaft, übertragen werden. Der Weg für den Verkauf des Hauses war frei. Gleich Anfang 1999 übergab der Kunstverein ACUD den Eigentümern ein Angebot von 660.000 DM. Mit Hilfe der Firma EMATE wurde der Plan für die Gründung einer GmbH & CoKG erarbeit, die das Hausen kaufen sollte und mit dem Verein die Sanierung durchführen sollte und nach dessen Abschluß dem Verein einen langfristigen Mietvertrag geben sollte. Ein umfangreiches Konzept für die Finanzierung, die Sanierung und den späteren Betrieb des neuen ACUD lag vor. Die ersten Geldgeber (Kommanditisten) stellten sich ein und die Stiftung Umverteilen konnte für ein Darlehen in Höhe von 500.000 DM für den Kauf des Hauses gewonnen werden. Alles war klar. Doch die Erben konnten sich nicht für den angebotenen Kaufpreis durchringen. Im Frühjahr 1999 nahmen sie den Berlin Makler Matthias Freiherr Teuffel von Birkesee unter Vertrag, der ihnen einen Kaufpreis von mindestens 1.000.000 DM in Aussicht stellte. Der Makler hatte sich seit der Wende auf das Makeln von Immobilien jüdischer Eigentümer spezialisiert und hatte dadurch wohl großen Einfluß auf die Eigentümer. Dann wurde er auch als Hausverwalter des Hauses in der Veteranenstraße engagiert und als erstes flatterte dem ACUD die fristgerechte Kündigung zum Jahresende auf den Tisch. Sollte die das Aus für ACUD bedeuten? Bei weitem nicht! Die Vereinsmitglieder beschlossen auf einer Versammlung im Spätsommer, den Standort nicht widerstandslos aufzugeben und widersprachen zunächst über ihren Anwalt der Kündigung wegen aufgetretener Formfehler. Man kalkulierte auch eine möglich Besetzung des Hauses ein, setzte dennoch weiter auf Verhandlungen und entschloß sich die Kaufpreisvorstellungen des Maklers zu erfüllen. Um die fehlende Summe von 3000 DM aufzubringen rief man die Spendenkampagne »Ums überleben der Kultur - 3000 x 100 DM zur Rettung des ACUD« ins Leben, die Mitte November 1999 anlief. Eine große Resonanz bei der Presse folgte:

Dazu ein ausführlicher Artikel von Christof Schaffelder im Scheinschlag von Okt./Nov. 1999:

»ACUD am Scheidepunkt - Trotz professionellem Konzept droht das Ende: Kündigung zum Jahreswechsel« »Nach neun Jahren wechselvoller Geschichte ist das Kunsthaus ACUD in der Veteranenstraße 21 zu einer festen Adresse geworden.... Doch damit könnte es bald vorbei sein. Auch das ACUD ist zwischen die Räder der Spekulation gekommen. Ihm wurde zum Jahresende gekündigt. Daß die Alteigentümerin, eine über die Welt verstreute jüdische Erbengemeinschaft, das Haus verkaufen will, war den Betreibern des ACUD schon seit langem klar. Der Vorstand des 1989 in Prenzlauer Berg gegründeten Vereins ist mit den Eigentümern daher in Kontakt getreten und hat ein ausgefeiltes Finanzierungskonzept für den Kauf des Grundstückes sowie die anschließende Sanierung des Hauses erarbeitet. Die Gründung einer GmbH&Co KG mit insgesamt 300.000 DM Eigenkapital wurde vorbereitet, ein Darlehen einer Stiftung würde den Rest des Kaufpreises für das Grundstück finanzieren. "Wir haben von einigen der Erben auch bereits positive Signale erhalten", meint Hermann Greuel vom Vorstand des Vereins. Inklusive der Notar- und Nebenkosten könnte der Verein rund 700.000 DM aufbringen. Geplatzt ist das Geschäft jedoch, als sich ein Makler einschaltete. Ihm gelang es, die Erbengemeinschaft davon zu überzeugen, daß er ohne Schwierigkeiten einen Erlös von einer Million erzielen könnte. Jetzt hat er eine Generalvollmacht für den Verkauf der Veteranenstraße 21 - und dem ACUD die Kündigung ausgesprochen: ein leerstehendes Haus in der attraktiven Lage am Volkspark Weinbergsweg läßt sich halt besser veräußern als ein vermietetes, vor allem wenn der Mieter ein Kunstverein ist. Daß auf diese Weise ein seit einem Jahrzehnt gewachsenes, im Kiez und weit darüber hinaus verankertes alternatives Kulturhaus akut gefährdet wird, spielt für den Makler keine Rolle. "Wir werden zum Jahreswechsel jedoch nicht ausziehen", meint Hermann Greuel, "und uns lieber auf einen Rechtsstreit einlassen, unser Anwalt sieht da durchaus Chancen für uns." Dadurch gewinnt der Verein Zeit, die er braucht um mit einer Spendenkampagne zusätzliche Mittel hereinzubekommen und mehr bieten zu können - "dem Makler geht es nur um das Geld, gegen uns persönlich hat er sicherlich nichts." Ein weiteres Darlehen für den Erwerb des Grundstückes will der Verein jedoch nicht aufnehmen, da die Zinsen und Tilgungen nicht finanziert werden können - zumal für die Sanierung des Hauses noch einmal erhebliche Summen ausgegeben werden müssen. Greuel hofft, von insgesamt 3000 Spendern je 100 DM zu erhalten und das Angebot auf eine Million DM aufstocken zu können... Stattdessen beruft man sich auf das Sanierungskonzept, daß in den vergangenen Jahren erarbeitet wurde... Mit dem Bezirksamt sind die wichtigsten Eckpfeiler für die Sanierung schon geklärt: Ein größerer Kinosaal mit 150 Sitzplätzen und ein kleinerer Saal für Kinderkino würde zum Beispiel dem gegenwärtigen ACUD-Kino größere Entwicklungsmöglichkeiten einräumen.... So steht der Kunstverein ACUD zehn Jahre nach seiner Gründung 1998 in der Rykestraße am Scheidepunkt. Ein tragfähiges Konzept für die Weiterentwicklung des alternativen Kulturhauses steht zwar, das Haus, um das es geht, ist allerdings gefährdet. Würde sich der Makler durchsetzen und das ACUD die Veteranenstraße 21 verlassen müssen, so wäre das ein fatales Zeichen für den Zustand dieser Stadt zehn Jahre nach dem Mauerfall. An der Stelle des aus der Wende hervorgegangen alternativen Kunsthauses würden dann wahrscheinlich Eigentumswohnungen entstehen, deren Erwerb durch den Senat auch noch bezuschusst würde. Der Markt hätte die Kultur auch an dieser Stelle überrollt.«

Anouk Meyer im Neuen Deutschland am 15.10.1999:

»Fürs ACUD wird es jetzt akut - Kunstverein in Mitte will sein Haus kaufen und unbedingt im Kiez bleiben« »... Zwar stehen das Kulturamt Mitte und die Stadträtin für Kultur, Eva Mendl, voll hinter dem Projekt, können wegen der angespannten finanziellen Lage aber keine Gelder zum Kauf des Hauses zuschießen.... Thomas Liljeberg, Leiter des Kulturamtes Mitte, steht hinter dem Vorhaben des Kunstvereins. "ACUD ist ein für den Bezirk außergewöhnlich wichtiges Projekt und fest im Wohngebiet verankert. Das kann man nicht einfach versetzen." Mit einer Stellungnahme will das Kulturamt erreichen, daß sich die Erbengemeinschaft wieder für den Verkauf an ACUD entschließt und keine gleichgültige Haltung bezüglich des Käufers einnimmt. ...«

Anouk Meyer am 12.11.1999 im Neues Deutschland:

»3000 Mal 100 Mark fürs ACUD - ND unterstützt Spendenkampagne des Kunstvereins« »ACUD akut ist das Motto der Kampagne mit der das Kunsthaus ACUD in Mitte um seinen Erhalt kämpft.... Aus Sympathie organisiert die Marketingagentur New Roses die Kampagne gratis. Wie Geschäftsführerin Anja Dau erklärt, sind schon wichtige Sponsoren gewonnen. Die City-Cards-Initiative Dinamix druckt bis 30.000 Postkarten und verteilt sie. 500 Plakate druckt Saladruck, Filme für die Druckvorlage spendiert die Firma art vision. Motiv für Plakate und Karten ist ein X aus zwei Pflastern mit ACUD - AKUT. Die Namen aller Spender sollen auf der Website erscheinen.«



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2000

Berliner Abendblatt am 16.2.2000:

»250 Spender für Kunstverein ACUD brachten 25.000 Mark - Namensliste für die Aktion Namensliste für die Aktion 3000 x 1000 DM wird immer länger« »... Die Kampagne 3000x100 DM zur Rettung des Kunstvereins ACUD geht weiter. Inzwischen haben mehr als 250 Freunde des ACUD, darunter Politiker, Künstler, Wissenschaftler, gespendet. Als Schirmherr für die Solidarisierung konnte der Dramaturg und Autor Wolfgang Kohlhaase gewonnen werden. Er wird am 3. März in der UFA-Fabrik ein Benefizkonzert Berliner Künstler eröffnen.... Außerdem hatte der bekannte "Cheapart"-Künstler Jim Avignon während seiner Ausstellungseröffnung in der ACUD-Galerie im Januar dazu aufgerufen, Kunstwerke zur Rettung des ACUD zu spenden. Inzwischen spendete die Artery Berlin ein Bild von Thomas Florschütz sowie Werke von Rachel Fallon, Jörg Grunow, Charles M. Hromadka und vielen anderen Künstlern. Am 1. April werden die Kunstwerke auf einer Auktion versteigert. Der Erlös fließt in die Aktion 3000x100 Mark. Ein Wertgutachten, welches durch den Makler und Hausverwalter, Freiherr Teuffel von Birkensee, in Auftrag gegeben wurde, könnte die Basis neuer Verhandlungen über einen kulturverträglichen Verkaufspreis oder aber der Auftakt zum meistbietenden Verkauf des Grundstücks sein. Bisher habe der Makler jedoch noch keinen Verkaufpreis genannt, sagte Gabriele Grier dem Berliner Abendblatt....«

Scheinschlag Febr./März 2000:

»Das Prädikat wertvoll... ... verliehen haben 4000 Besucher dem ACUD bei der langen Nacht der Museen. Ein klares Votum für das fortbestehen des Kunsthauses,...«

Elke Auer in der Berliner Zeitung am 28.02.2000:

»Das sind doch Kämpfer der ersten Stunde - 300 Prominente unterstützen bislang die Kampagne zur Rettung des Kunsthauses ACUD« "Das sind die Regenwürmer", sagt Michael Gwisdek. "Die schaffen den Humus für die Kultur. Wenn der kaputt ist, wächst nichts mehr nach". Mit den Regenwürmern meint Gwisdek die Leute vom Kunsthaus ACUD.... Fast 300 Unterstützer haben sich seit November beteiligt, darunter viele namhafte Politiker, Künstler und Kulturschaffende wie der Regisseur Tom Tykwer, die Fernsehmoderatorin Mo Asumang oder die Bundestagsvizepräsidentin Petra Bläss. Schirmherr der Solidarisierung ist Autor und Dramaturg Wolfgang Kohlhaase. "Die Off-Szene darf nicht aus dem 'Neuen Berlin' verdrängt werden. Oder soll hier bald nur noch geleckte Atmosphäre herrschen?" Der Berliner Kabarettist Jockel Tschiersch hält das Kulturzentrum auch deshalb für erhaltenswert, weil er "weiß wie viel Arbeit darin steckt".... "Gerade junge Leute brauchen solche Häuser", sagt der Musiker Thomas Putensen. Clubs, die Atmosphäre haben und in denen Jugendliche kreativ sein können, hält er für unentbehrlich. Das ACUD unterstützt er "aus Prinzip". Damit die "Hornochsen, die in diesem Land Kultur machen, sehen, dass es auch ohne sie geht". Die Senatskulturverwaltung unterstützt das Kunsthaus nach Ansicht der ACUD-Leute nur minimal. "Die reden sich mit dem Argument heraus, wir seien nicht von berlinweiter Bedeutung, sondern ein Kiezprojekt. Somit fühlen sie sich nicht für uns zuständig", sagt ACUD-Geschäftsführerin Jutta Braband. Noch in dieser Woche will sie nach Tel Aviv fliegen, um mit dem Anwalt der Erbengemeinschaft über den Hauskauf zu verhandeln.... Der Fernsehjournalist Knut Elstermann, der sich an der Rettungsaktion beteiligt, ist zuversichtlich, dass bis dahin das fehlende Geld zusammenkommt: "Die schaffen das. Das sind doch Kämpfer der ersten Stunde."«

Ein weiterer Besuch in Israel. Diesmal sind ein neues Angebot und eine lange Unterstützerliste im Gepäck. Mit dem Makler konnte man sich nur über die Presse unterhalten und das erstellte Wertgutachten wollte er dem Verein nicht vorlegen. Die Verhandlungen mit der Erbengemeinschaft entwickelten sich dennoch positiv. Die Gespräche wurden intensiver und versprachen Erfolg. Am 3.März konnte das ACUD sein 10jähriges Jubiläum mit Unterstützung der UFA-Fabrik in ihrem Theatersaal feiern und noch weitere Aktionen wurden durchgeführt.

Anouk Meyer im Neues Deutschland am 26./27.02.2000:

»ACUD-Abgesandte reist nach Tel Aviv - Neue Hoffnung für den Kunstverein in Mitte« »In die Verhandlungen über den Kauf des Quartiers in der Veteranenstraße 21 in Mitte, die vor einigen Wochen nach langer Funkstille wieder aufgenommen worden sind, ist neue Bewegung gekommen. Wie Hermann Greuel vom Vorstand gestern sagte, fliegt die Geschäftsführerin des Kunstvereins ACUD, Jutta Braband, heute nach Tel Aviv, um dem Anwalt einer wichtigen Vertreterin der jüdischen Erbengemeinschaft ein neues Kaufangebot über 750.000 Mark zu unterbreiten. Mit im Gepäck hat sie ein Schreiben der Hausbank des Vereins, die darin bestätigt, die Finanzierung für den Kauf und die Sanierung des ACUD-Domizils zu übernehmen. "Die Verhandlungen laufen gut, wenn auch nichts Schriftliches vorliegt", meint Hermann Greuel.«

Berliner Abendblatt vom 1.3.2000:

»UFA-Fabrik springt dem ACUD zur Seite - Solidaritäts-Geburtstagsgala mit erstrangigen Künstlern« »Ohne Unterstützung von außen wäre die UFA-Fabrik wohl nie zu dem geworden, was sie heute ist. Nun machen sich die Bewohner der Kulturkommune in der Viktoriastraße 10.18 anheischig, ihrerseits einem Kunstverein im Überlebenskampf beizustehen. Dabei handelt es sich um das ACUD in Mitte....«

Rebecca Ellsässer in der Berliner Morgenpost vom 3.3.2000:

»Benefiz-Gala für das eigene Spendenkonto - Zehn Jahre Kunsthaus ACUD - Fest mit vielen Promis« »... Das ACUD sei schon jetzt für ganz Berlin "wichtiger, individueller Treffpunkt"; und "Bühne für Nachwuchskünstler", sagt Schauspieler Michael Gwisdek. Als "Armutszeugnis für die Hauptstadt", bezeichnet der Künstler das mögliche Aus für den alternativen Veranstaltungsort.... .Nun wolle man die Zeit nutzen, um das fehlende Geld für den geplanten Kauf zu sammeln. Das ACUD erhalte keine Regelförderung vom Senat, so Greuel, daher sei man weiterhin auf Spenden angewiesen....«

Berliner Morgenpost am 25.3.2000:

»Kunstverein ACUD will Haus erwerben« »Endlich Licht am Ende des Tunnels: Die Notarin des Kunstvereins ACUD bereitet einen Vertragsentwurf für den Kauf des Hauses an der Veteranenstraße 21 vor.... "Jetzt hat sich die Erbengemeinschaft untereinander geeinigt", sagt Hermann Greuel vom Vorstand des ACUD. "Uns wurde mündlich ein Kaufpreis von 800.000 Mark mitgeteilt."«

Tagesspiegel am 1.4.2000:

»Versteigerung im ACUD« »Zur Rettung des Kunstvereins ACUD versteigern 50 Künstler ihre Werke. ... .Der Erlös soll für den Kauf des Mietshauses verwendet werden....«

Plötzlich ereignete sich etwas völlig unerwartetes. Der Partner EMATE sprang ab und mit ihm 200.000 DM Anteile an der GmbH&Co KG. Ein Schock, man mußte schnell umdenken. Doch die Situation beruhigte sich und es schien alles auf ein Gutes Ende hinzudeuten.

Rebecca Ellsässer in der Berliner Morgenpost vom 3.4.2000:

»...Zum Zweiten, zum Dritten: Auktion für das Kulturhaus - Neues Finanzierungsmodell soll Überleben des ACUD sichern: Stiftung kauft Grundstück« "...Nun scheint sich ein neues Finanzierungsmodell abzuzeichnen: Die Stiftung Umverteilen hat uns eine Erbpacht angeboten", sagte die ACUD-Geschäftsführerin. Das hieße, dass die Stiftung, die sich vor allem bei Projekten in Entwicklungsländern engagiert, das Grundstück kaufen und dem ACUD-Verein einen Nutzungsvertrag auf vorläufig 50 Jahre gewähren würde....«

Elke Auer schrieb dazu am 8./9. April 2000 in der Berliner Zeitung:

»Private Stiftung möchte das ACUD retten - Kunstverein würde dann Eigentümer des Hauses« »... Laut Hermann Greuel, Vorstandsmitglied im Betreiberverein, hat die private Stiftung Umverteilen sich bereit erklärt, das Grundstück zu kaufen, auf dem das Haus steht. In dem Fall würde dem Kunstverein für vorläufig 50 Jahre eine Erbpacht gewährt. So würde der Verein Besitzer des sanierungsbedürftigen Gebäudes, während das Grundstück weiterhin der Stiftung gehören würde. Die Methode könnte vermeiden, dass das Gelände privatisiert würde.... "Das Angebot der Stiftung könnte endlich neuen Schwung in unsere Zukunftsplanung bringen", sagt Hermann Greuel..... Geschäftsführerin Jutta Braband gelang es, sich mit dem Notar der Erbengemeinschaft auf einen Kaufpreis von 800.000 Mark zu einigen. Mit diesem Preis erklärte sich auch die Stiftung einverstanden. Hermann Greuel will sich über den neuen Stand der Dinge nicht zu sehr freuen. Bislang gibt es von der Erbengemeinschaft wie von der Stiftung nur mündliche Zusagen. Greuel rechnet aber damit, dass die Verträge in den nächsten Wochen unterschrieben werden, damit im Herbst der Umbau beginnen kann. "Ich entspanne mich erst, wenn alles unter Dach und Fach ist", sagt er. "Das Blatt hat sich bei uns schon zu oft in letzter Minute gewendet".«

Der Hausverkauf

Doch zu früh gefreut... Trotz aller mündlichen Zusagen wurde das Grundstück nun an Unbekannt verkauft. Die Nachricht vom Verkauf des Hauses war ein Schock für den Verein. Doch aus dem ersten Schock entwickelte sich gleich Widerstand. Der Verein lud zu einer Pressekonferenz ein, und es gibt erste Stellungnahmen. Auch prominente Stimmen melden sich zu Wort. Zwischen ACUD und Makler verhärten sich die Fronten und der Dialog wird ausschließlich über die Presse ausgetragen. Der Makler hat ganze Arbeit geleistet und die Eigentümer zu einer einseitigen Sichtweise gebracht, wobei Tatsachen umgedreht werden, wie zum Beispiel die 100%ige Mietminderung, die von ACUD durch die aufwendige Instandhaltung beglichen wird. Um den Widerstand zu mobilisieren wird das Hausfest zum 1.Mai vorbereitet.

Eine Meldung der Berliner Zeitung am 14.4.2000:

»Verein ACUD fühlt sich übergangen - Kunsthaus ist verkauft« »Das Kunsthaus ACUD in der Veteranenstraße 21 ist erneut in seiner Existenz bedroht. Wie der Kunstverein gestern mitteilte, soll das Grundstück am Verein vorbei an einen derzeit unbekannten Interessenten verkauft worden sein....«

Neues Deutschland schreibt am 15./16.4.2000:

»ACUD fühlt sich betrogen« »... "Wer meint, ohne Einbeziehung dieses als kultureller Ort gewachsenen Projektes seine rein materiellen Interessen verwirklichen zu können, wird auf unseren entschiedenen Widerstand stoßen", heißt es weiter in der Mitteilung, die unterschrieben ist von Hermann Greuel, Vorstandsvorsitzender, und Jutta Braband, Geschäftsführerin von ACUD e.V., sowie Wolfgang Kohlhaase, Filmautor und Schirmherr der Kampagne "Rettet ACUD".«

Rebecca Elsässer in der Berliner Morgenpost am 15.4.2000:

»Kunstverein ACUD: Aus der Traum vom eigenen Gebäude« "... "Gesellschaft hat am Mittwoch den Kaufvertrag unterschrieben", bestätigt der Makler der Eigentümergesellschaft, Matthias von Birkensee. Namen will er jedoch nicht nennen.... Ein Investor habe sich vor zwei Wochen mit einem Angebot an ihn gewandt, das den Preis des ACUD um eine "sechsstellige Summe" übertreffe, so Makler Birkensee, der von der Haupterbin Thea Kabir mit dem Verkauf beauftragt worden war. Für das Kunsthaus ist damit nicht nur der Traum von den eigenen vier Wänden geplatzt. "Jetzt geht es ums nackte Überleben", sagt Greuel. ... "Dem ACUD droht eine Räumungsklage", so Makler Matthias von Birkensee. Der neue Eigentümer plane nämlich, das Kunsthaus zu einem Wohnhaus umzubauen, fügt er hinzu. Die ACUD-Betreiber kündigen bereits Protest an.

Marion Müller in Die Welt am 15.4.2000:

»Künstlerhaus ACUD von den Erben verkauft - Die Heimstätte für junge Künstler steht damit vor dem Aus« »Dem Schauspieler Michael Gwisdek hat es die Stimme verschlagen. Und das ist ein Skandal. Schließlich spielt er heute Abend im Berliner Ensemble in Brechts Arturi Ui den Schauspieler. Der Grund für Gwisdeks Verstimmung ist die drohende Schließung des Künstlerhauses ACUD in Mitte. ... Der Makler Matthias von Birkensee hat an den Meistbietenden verkauft. Der bleibt bisher noch anonym, plant aber die Sanierung des Hauses. "Für ACUD wird es mit Sicherheit darin keinen Platz geben", sagt von Birkensee. Der Verein habe einfach falsch verhandelt, so der Makler. "Sie haben gleich gesagt, dass sie nicht bereit sind, mich zu bezahlen". Der jetzige Käufer dagegen schon. Und er bietet einen Preis, "der im sechsstelligen Bereich über dem Angebot vom Verein liegt". ... "Wir hörten, dass verkauft wurde", sagt Greuel. Das bringt nicht nur die Mitglieder des Vereins, sondern auch deren Unterstützer auf die Palme. ... Der Bundestagsabgeordnete Eckardt Barthel (SPD) fürchtet nun, dass der "Graswurzelkultur" wie sie im ACUD gepflegt wird, in Berlin allmählich der Boden entzogen wird. Verliert die Stadt ihre spröde Schönheit? ...«

Elke Auer in der Berliner Zeitung am 18.4.2000:

»Verein will nicht aus dem Kunsthaus raus - Mitglieder fühlen sich von Besitzern hintergangen« »... Der Verein wähnte sich kurz vor Kaufvertragsabschluss. "Stattdessen ist uns noch nicht einmal die Möglichkeit gegeben worden, uns zu dem offenbar höheren Preisangebot des Käufers zu äußern", sagt Braband. ... "Aber so leicht kriegt uns hier keiner raus", sagen die Vereinsmitglieder. Notfalls wolle man es auf eine Räumungsklage ankommen lassen. Die Möglichkeit, dass das ACUD auch nach dem Verkauf in dem Gebäude bleiben kann, ist laut Jutta Weitz, Mitarbeiterin der Wohnungsbaugesellschaft Mitte, "eher unwahrscheinlich". Wenn der neue Besitzer dem ACUD fristgerecht kündigt, läuft der Mietvertrag zwischen Verein und WBM zum Ende des Jahres aus. Laut ACUD will der Käufer dort Eigentumswohnungen schaffen. "Eine Katastrophe", urteilt Thomas Liljeberg, Leiter des Kulturamtes Mitte. "Wir brauchen hier keine Eigentumswohnungen, sondern Häuser wie das ACUD."«

Anouk Meyer in Neues Deutschland am 18.4.2000:

»Vor der Nase weggekauft - ACUD will sich nicht so schnell vertreiben lassen« »... Man nimmt an, dass hier Eigentumswohnungen entstehen sollen. Makler von Birkensee will den Kunstverein notfalls per Räumungsklage vertreiben. Der argentinische Teil der Erbengemeinschaft sei bitterarm und brauche möglichst schnell Geld. Er selbst sei übrigens mehrfach von ACUD-Sympathisanten telefonisch bedroht worden. ...«

Berliner Morgenpost am 18.4.2000:

»Kunstverein will auf Haus an der Veteranenstraße nicht verzichten« »... Zu drei Achteln ist Thea Kabir, die 1930 in Berlin geboren wurde und heute in Tel Aviv lebt, Eigentümerin des Hauses, das ihrem Großvater Heinrich Enoch gehörte. Sie sagt: "Der Verein brachte über zwei Jahre lang keinen Vertrag zustande. Ich wollte mehr Geld haben und beauftragte einen Makler. Da kam plötzlich ein neuer Interessent. Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, an wen ich verkaufe."; Dieser Interessent wurde durch den Makler Matthias Birkensee vermittelt. Nun sieht er sich in der Schusslinie: "Dass man mich als Spekulanten beschimpft, finde ich schon sehr dreist", sagt er.«

Nadine Kraft in der Tageszeitung vom 18.4.2000:

»Kunsthaus ACUD in akuter Gefahr - Der Kaufversuch des Kunstvereins ACUD für das Haus in der Veteranenstraße ist gescheitert. Kurzfristig gab der Makler einem anderen Bieter den Zuschlag. Die engagierten Kulturschaffenden sollen ausziehen, noch freiwillig gehen sie nicht« »"Wir trauern nicht, wir kämpfen", betonte gestern Jutta Braband, Geschäftsführerin des Kunstvereins ACUD. Noch nie sei die Existenz des soziokulturellen Zentrums in Mitte so akut bedroht gewesen wie derzeit. ... "Wir sind empört über die Vorgehensweise des Maklers, der uns keine Chance gab, auf das zweite Kaufangebot einzugehen", erklärte Braband. ... Das die Erbengemeinschaft nun in letzter Minute ihre Meinung geändert hat, schob sie auf den Makler Matthias Teufel von Birkensee, der "immer nur gegen uns agiert hat". Dieser wirft ACUD hingegen vor, die Verhandlungen mit den Erben vor allem mit "Frechheiten" geführt zu haben. "Sie schalteten mich dazwischen, weil sie mit dem Verein nicht mehr klar kamen", so von Birkensee. ... "Ein Umzug wäre das Aus", meint Christine Zille von der Bundesvereinigung soziokultureller Zentren. ... Eine Kündigung hat der Makler "im Auftrag der Erben" aber bereits zum 31.Dezember 1999 ausgesprochen. ACUD habe dagegen Widerspruch eingelegt, auf den der Makler nicht reagierte, so Braband. Deshalb sei die Sache laut Anwalt "erledigt". Von Birkensee sieht das anders. Trotzdem will er eine fristlose Kündigung wegen nicht erfolgter Mietzahlungen nachschieben. "Wir haben immer nur die Betriebskosten gezahlt, weil die Miete laut Vertrag mit den erfolgten Reparaturleistungen verrechnet wurde", hält dem Jutta Braband entgegen. Über den neuen Käufer schweigt sich Makler von Birkensee aus. ... Der Käufer will das ursprüngliche Wohnhaus wieder als solches nutzen. "Für ACUD ist da kein Platz mehr", betont der Makler.«

Eva Apraku im Tip 9/2000:

»Akute Not« »Wer in Berlin seinen Namen in einem szenig-illustren Kreis finden wollte, fand dazu bislang eine erstklassige Adresse: die Liste der Unterstützer des Kulturhauses ACUD, veröffentlicht im Internet unter www.acud.de. Mittels einer Spende in Höhe von mindestens 100 Mark konnte man sich einreihen unter Kabarettisten wie Jockel Tschiersch, Schauspieler wie Michael Gwisdek oder Regisseuren wie Tom Tykwer. Sie alle fanden das ACUD - hier werden unter anderem ein preisgekröntes Kino, ein Jazz- und ein Ragga-Club sowie eine Galerie betrieben - in jedem Falle am bisherigen Standort erhaltenswert. .... Ist damit eine einzigartige Kultureinrichtung nun dem Ende preisgegeben? Thea Kabir bedauert dies zwar, sieht aber auch nicht ein, dass Berliner Kulturpolitik auf dem Rücken der betagten Erbengemeinschaft - sie sind die Nachkommen der einst von den Nazis enteigneten ursprünglichen Hausbesitzer - ausgetragen werden soll. "Die zahlen ja nicht einmal Miete", sagt sie empört. "Wie sollen die dann den Kaufpreis zusammenkriegen?" Außerdem bräuchten die in Argentinien lebenden Erben dringend Unterstützung. "Denen geht es finanziell ganz schlecht. Die brauchen das Geld. Und zwar bald."«

Jörn Hasselmann in Der Tagesspiegel 30.4.2000:

»Nach zehn Jahren wird es akut für das ACUD - Der Kunstverein konnte nicht, wie erhofft, das Haus in der Veteranenstraße kaufen / Neuer Eigentümer« »... "Sauerei", ärgert sich die Geschäftsführerin des ACUD, Jutta Braband. "Sauerei", weil der Makler das ACUD nicht von dem höheren Angebot informiert habe. "Wir hätten ja auch noch 50.000 Mark drauflegen können", sagt sie. ... Viel Freude wird der neue Eigentümer nicht mit dem ACUD haben, kündigte Jutta Braband an: "Der Käufer kann nicht machen was er will." Denn das Haus gehöre zum Sanierungsgebiet und in der zugehörigen Sanierungssatzung sei für die Veteranenstraße 21 ein Kulturhaus vorgesehen. Zudem gelte die vom Bezirksamt erteilte Zweckentfremdungsgenehmigung ausschließlich für das ACUD. Denn gewohnt wird nicht in dem Quergebäude, dessen Vorderhaus im Krieg zerbombt wurde. Unattraktiv für den neuen Eigentümer sei zudem, dass die Fläche des einstigen Vorderhauses nicht bebaut werden darf. ... Das "Hausfest" am 1. Mai sei keine Abschiedsveranstaltung, sondern der "Auftakt zum Widerstand", wie die ACUD-Managerin Braband betont. ...«

Christof Schaffelder im Scheinschlag Mai/Juni 2000:

»Showdown in der Veteranenstraße? - Dem Kunsthaus ACUD droht über kurz oder lang die polizeiliche Räumung« »... "Eine sechsstellige Summe, im unteren Bereich", also mindestens 100.000 DM, habe dies den Erben zusätzlich erbracht, meint der Makler, der sichtlich stolz ist auf den Job, den er seiner Meinung nach gut erledigt hat. Matthias von Birkensee ist auf komplizierte Restitutionsfälle von international verstreuten Erbengemeinschaften spezialisiert, denen er ein maßgeschneidertes Programm anbietet. "Das sind meine Mandanten, denen ich verpflichtet bin - nicht dem Kunsthaus ACUD, gegen das ich im übrigen nichts habe. Auch meine Schwester hat dort einmal eine Lesung veranstaltet." Jutta Braband, die Geschäftsführerin des ACUD e.V., schätzt dieses Engagement natürlich ganz anders ein. ... Sie vermutet eigennützige Motive bei dem agilen Makler, der sich erst eingeschaltet hatte, als das ACUD bereits im Kontakt mit der Erbengemeinschaft stand, und daher vom ACUD keine Provision erhalten hätte. Der streitet freilich ab, daß es ihm nur um die Courtage gegangen sei. "Die hätte ich von der Erbengemeinschaft erhalten, das habe ich schriftlich. Jetzt zahlt sie natürlich der Käufer, den ich vermittelt habe, für mich läuft das aber auf das Gleiche hinaus." Über den Investor will er keine genauen Angaben machen. "Er kommt aus dem norddeutschen Raum und kann den Kaufpreis aus der Portokasse entrichten. Er hat also keine Zinskosten und kann dem ganzen in Ruhe zusehen." In Berlin, so der Makler, habe er angesichts der Brisanz des Grundstücksgeschäftes keinen Kaufinteressenten gefunden. Obwohl seine Arbeit mit dem Verkauf der Immobilie eigentlich erledigt sein müsste, engagiert er sich weiterhin im Sinne des Investors: "Wir haben zur Zeit zwei Räumungsklagen angestrengt: Eine aufgrund der Kündigung, die die WBM aussprach, als sie noch das Objekt verwaltet hatte, eine andere wegen des Mietrückstandes. Das ACUD hat nämlich nie Miete gezahlt, was natürlich die Erbengemeinschaft sehr verärgert hat." "Das stimmt", meint Hermann Greuel, Vorstandsvorsitzender des ACUD e.V., "wir haben nämlich unsere geleisteten Investitionen mit der Miete verrechnet. Das steht so im Mietvertrag." ... Matthias von Birkensee weist deshalb darauf hin, daß im Mietvertrag eine Rückbauklausel enthalten sei. "Wenn das Mietverhältnis beendet wird, muß das ACUD alle Umbaumaßnahmen, die es im Lauf der Zeit vorgenommen hat, wieder zurückbauen. Das würde nach unserer Kostenschätzung insgesamt 300.000 bis 400.000 DM kosten. Wir wären zwar bereit, über diese Verpflichtung zu verhandeln, denn wir planen ja sowieso die Sanierung, aber wenn das ACUD uns schräg kommt..." Der Verein bleibt jedoch bei seiner Linie. "Die kriegen uns hier nur mit einer polizeilichen Räumung hinaus", meint Jutta Braband. ... So verweisen die Zeichen zur Zeit ganz auf einen Showdown mit polizeilicher Räumung - irgendwann am Ende diesen Jahres oder zu Beginn des nächsten. Im Anschluss würde der Raum für die Kunst und Kultur im Kiez durch Eigentumswohnungen für betuchte Mitbürger ersetzt. Zehn Jahre nach der Wende wäre auch dies ein deutliches Zeichen.«

An diesem bisher letzten Stand der Dinge hat sich nicht viel geändert. Der Bezirk Mitte hat sich hinter das ACUD gestellt und dem neuen Eigentümer mit Hilfe der WBM verschiedene Ersatzobjekte angeboten. Die sechsstellige Summe, die der Eigentümer mehr geboten hätte, wie der Makler mehrfach behauptet hat, reduzierte sich auf 50.000 DM, er selbst hat noch einmal 50.000 DM als Courtage eingestrichen. Aus Solidarität mit dem ACUD hat sich eine Berlinweite Gruppe aus dem Off-Kulturbereich zusammengetan und eine Art Netzwerk eingerichtet, in dem man überlegt, mit welchen Aktionen dem ACUD und darüber hinaus auch anderen gefährdeten Häusern und Gruppen geholfen werden kann. So veranstaltete die Gruppe der Philosophen aus dem EX im Mehringhof am 22.Juli eine Soliparty für das ACUD, das Tacheles hat ein Protestschreiben an alle Verantwortlichen aus der Politik gerichtet und die Kulturbrauerei plant am 17. November mit dem ACUD zusammen die "Lange Nacht der Off-Kultur", um in der Öffentlichkeit auf den wichtigen Bereich der OFF-Kultur aufmerksam zu machen. Das ACUD selbst hat wieder an der Langen Nacht der Museen teilgenommen und seinem Publikum gezeigt, daß es noch lange nicht aufgegeben hat - über 3000 Besucher konnten sich an diesem Abend davon überzeugen. Also, Schluss ist noch lange nicht und schon gar nicht durch einen Schnösel wie Makler Teuffel von Birkensee.



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2001


Uwe Aulich in der Berliner Zeitung vom 31.03.2001:

"Die Durchhalteparolen hatten Erfolg: der alternative Kunstverein ACUD kann in seinen Räumen in der Veteranenstrasse 21 bleiben. In der vergangenen Woche unterzeichneten die Erbengemeinschaft, der 1998 das Haus rückübertragen wurde, und die Berliner Stiftung "Umverteilen! Stiftung für eine solidarische Welt" ein notarielles Kaufangebot über 900 000 Mark. In den kommenden Tagen wollen die Stiftung und das ACUD einen Erbbaurechtsvertrag über 50 Jahre schliessen.
Schon im Herbst soll die Sanierung des Kunsthauses beginnen. Sie wird 4,5 Millionen Mark kosten, Förderanträge wurden bereits beim Senat und der Lotto-Stiftung gestellt. Vor allem die Räume für Veranstaltungen sollen grösser werden. Dazu will der Verein die Remise auf den hinteren Teil des Grundstücks ausbauen.
An der Arbeit im eigentlichen Kunsthaus, einem rund 100 Jahre alten Wohngebäude, soll sich kaum etwas ändern. Ausser dem Kunstverein gibt es dort sieben Vereine, vor allem aus der Film und Kinobranche. Wie bisher will das ACUD jungen Künstlern die ersten Schritte ermöglichen, denn sie stellen einen "unverzichtbaren Faktor der Berliner Kulturlandschaft" dar.



Berliner Zeitung, 04. 04. 2001

Kunsthaus Acud schliesst Erbbauvertrag
Das Kunsthaus ACUD an der Veteranenstrasse 21 wird heute mit der Stiftung "Umverteilun! Stiftung für eine solidarische Welt" einen Erbbaurechtsvertrag unterzeichnen. Dieser soll eine Laufzeit von 50 Jahren haben. Das kündigte gestern die ACUD Geschäftsführerin Jutta Braband an.
Mit der Sanierung des Hauses und dem Ausbau der Remise im Hof werde das Angebot Im Kunsthaus ab Herbst erweitert. Unter anderem sollen ein Café und Bistro sowie zwei neue Veranstaltungssäle entstehen.
Im ACUD sei dann zusätzlich Platz für neue Kunst - und Kulturgruppen, sagte Vorstandsmitglied Horst Edler. Jazzcafé, Kellerclub, Kino und Theater sowie die Galerie und der Mädchenclub werden weitergeführt. Wie berichtet, hatte die Stiftung das Grundstück an der Veteranenstrasse im März von den Alteigentümern gekauft. (u.a.)



Zitty, 09/2001

"Es war ein Jahr unter dem Damoklesschwert, sagt Horst Edler, ebenfalls Vorstandsmitglied. "Wir konnten nicht investieren, keine Verträge machen - lange hätten wir nicht mehr durchgehalten." ... .... ...
Die Mitarbeiter der verschiedenen ACUD Projekte hoffen, den Elan der Kampfzeit halten zu können. Trotz wirtschaftlichen Drucks sollen Programm und Stil nicht gravierend verändert, sondern Kapazitäten besser genutzt werden. Die Remise und der Theaterhof sollen ausgebaut werden, Gastronomie und grössere Veranstaltungen das Geld für kleinere Projekte einspielen. Der Balance - Akt zwischen Alt und Neu wird nicht einfach. Aber nicht mehr bangen zu müssen, ob ein Konzertraum trocken genug ist, muss ja nicht mainstream heissen. Stefan Donath drückt es so aus: "Wir wollen nichts Schickes werden, wir wollen was Tolles werden."


Harald Olkus schreibt im Tagesspiegel, 23. Juni 2001, :

"Früher war das Haus nur eine Ruine. Heute ist es ruinös", sagt die Geschäftshührerin des Kunstvereins ACUD e.V., Jutta Braband, lächelnd. Nachdem der Kunstverein auf fast wundersame Weise doch noch zu seiner Immobilie in der Veteranenstrasse gekommen ist, geht es jetzt um ganz andere Dinge: um Wirtschaftlichkeit, ein Finanzkonzept, Fördermittelanträge und die Gebäudesanierung. Denn das ehemalige Wohnhaus ist ziemlich heruntergekommen. Mehr als sechs Millionen Mark soll die Renovierung kosten.
... Das Haus selbst muss mit neuer Elektrik und Wasserleitungen versorgt, das Dach neu gedeckt und die Fassade wärmeisoliert werden. Finanzieren will der Verein die Sanierung über das Selbsthilfeprogramm des Bausenats, der rund 42 % der Kosten fördert, mit einem Kredit in gleicher Höhe sowie 15% Eigenmitteln. Später sollen zusätzlich ökologische Elemente, sowie eine Wärmerückgewinnungsanlage oder eine Photovoltaikanlage auf dem Dach eingebaut werden. Die Gelder dafür will der Verein bei der Lottostiftung beantragen.




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2002


Berliner Wochenblatt vom 27.02.2002

Mitte: "Letzte Party im ACUD", vermeldete unlängst eine Tageszeitung. Damit keine Misverständnisse aufkommen: Kino, Konzerte und Kneipenspass gehen weiter. Geschlossen werden während der anstehenden Renovierung immer nur Teilbereiche.

Die Fassade wird knallblau gestrichen

Nach der Renovierung wird der dann 250 Personen fassende Konzertbereich schallschutzgedämpft und ebenerdig mit dem Nachtcafé verbunden sein. Das Lichtspielhaus wird zwei Säle statt einem haben, auch der Mädchenclub bekommt mehr Raum. Mit dem maroden Charakter des ACUD wird es dann endgültig vorbei sein.
Angst um ausbleibende Besucher bei verändertem Aussehen hat Dagmar Kaczor nicht. "Das Flair ist das eine, aber auf Löcher im Dach oder Schwamm im Mauerwerk kann ich verzichten", berichtet sie. "Ausserdem wird hier kein Hochglanzhaus entstehen." Das Äussere bleibt im Wesentlichen erhalten. Wo immer möglich, wird die Ursprünglichkeit belassen. Nur die Fassade soll später knallblau angestrichen werden.
Möglich wird die umfassende Instandsetzung durch die Förderung im Selbsthilfeprogramm des Senats, das bisher nur für den Wohnungsbau vorgesehen war. Das ACUD ist das erste Kulturprojekt, welches wegen seiner, für die Stadt herausragenden Bedeutung in das Programm gerutscht ist. 42 Prozent des Sanierungsvolumens von 2,3 Millionen Euro trägt der Senat. Für den Rest müssen die Betreiber einen Kredit aufnehmen.
"Nach Abschluss des Bauprojekts müssen wir noch einen Spagat schaffen." Siniert Kaczor: "Kultur anbieten, die Off-Kultur bleibt, sich aber dennoch wirtschaftlich trägt."


Zitty Nr. 7, 2002

Zwischennutzung
Die Remise lebt! Und in ihr tobt auch das Leben weiter.
Ungeachtet von unsicherer Zukunft und strittiger Vergangenheit gibt es von März bis Juni ein Programm das sich sehen und hören lassen kann und heute mit einer Lesug eröffnet wird. Live-Act des Abends sind Agressive Loop Productions und Vlad Bursteins Gitarennoisse - Performance, dannach gibt´s Elektronikhaus-Party mit den DJ´s Vlad, Theo und DMT/the Best of the Rest.

 

... und seit August regieren die Bauarbeiter in der ACUD Remise.
Kino, Theater, Galerie, Konzerte, Mädchenclub etc. präsentieren ihr Programm weiterhin im Vorderhaus. Bau und Kultur gleichzeitig, eben.



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